Geschichte der Kinderrechte

selbstgemaltes Kinderbild
selbstgemaltes Kinderbild  Foto: © Merrit

Bis zum 19. Jahrhundert gab es kein besonderes Bewusstsein dafür, dass Kinder besonderer Rechte bedürfen. Im Zuge der Industrialisierung gab es erste Initiativen, Kinder beispielsweise vor Ausbeutung beim Arbeiten zu schützen. In Großbritannien wurde 1833 verboten, dass Kinder unter 9 Jahren in Fabriken arbeiten, und 1842 wurde verboten, dass Kinder unter 10 Jahren in Minen arbeiten. Zusammenfassend lässt sich aber festhalten, dass Kinderrechte bis zum Ende des ersten Weltkrieges keine große Rolle spielten in Politik und Gesellschaft.

Sechs Jahre nach Ende des 1. Weltkriegs verabschiedete der Völkerbund im November 1924 die Genfer Erklärung, in der erstmalig Kinderrechte in einem internationalen Dokument festgehalten wurden. Die Genfer Erklärung hatte jedoch keine Rechtsverbindlichkeit – das heißt, dass sich die Staaten, die die Erklärung unterschrieben hatten, nicht zwingend an sie halten mussten.

Ebenfalls prägend für die Entwicklung von Kinderrechten war die Schwedin Ellen Key, die im Jahre 1900 das Jahrhundert des Kindes ausrief, sowie Janusz Korczak in Polen, der in der Magna Charta Libertatum umfassende Beteiligungsrechte für Kinder forderte.

Im Jahr 1959 wurde die Deklaration über die Rechte des Kindes, welche als Erweiterung der Genfer Erklärung gesehen werden kann, von den Vereinten Nationen verabschiedet.

Die UN-Kinderrechtskonvention

In den 1970er Jahren wurden Forderungen lauter, Bedürfnissen und Rechten der Kinder noch mehr Beachtung zu verleihen und so entstand auch die Idee, eine Kinderrechtskonvention zu erarbeiten. Nach zehn Jahren Arbeit und Diskussionen wurde dann am 20.11.1989 die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-KRK) vorgestellt. Sie wurde mittlerweile von 196 Staaten ratifiziert. Somit haben alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen mit Ausnahme der USA die Konvention als gesetzliche Grundlage ihres kinderrechtlichen Handelns anerkannt. Viele bezeichnen die UN-KRK deshalb als historischen Meilenstein, da sie einen neuen Maßstab gelegt hat, wie Staaten und Mitglieder der Gesellschaft mit Kindern und Kinderrechten umgehen sollen. Sie gilt bis heute als das bedeutendste Rechtsinstrument für Kinderrechte.

Die UN-KRK hat insgesamt 54 Artikel. Im ersten Teil der Konvention werden spezifische Rechte aufgelistet, die alle Kinder und Jugendliche haben sollen. Es sind dort 10 sogenannte Grundrechte festgehalten:

  1. Das Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung unabhängig von Religion, Herkunft und Geschlecht
  2. Das Recht auf einen Namen und eine Staatszugehörigkeit
  3. Das Recht auf Gesundheit
  4. Das Recht auf Bildung und Ausbildung
  5. Das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung
  6. Das Recht, sich zu informieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und sich zu versammeln
  7. Das Recht auf eine Privatsphäre und eine gewaltfreie Erziehung im Sinne der Gleichberechtigung und des Friedens
  8. Das Recht auf sofortige Hilfe in Katastrophen und Notlagen und auf Schutz vor Grausamkeit, Vernachlässigung, Ausnutzung und Verfolgung
  9. Das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause
  10. Das Recht auf Betreuung bei Behinderung.

Diese Rechte sind über die Artikel der UN-KRK verteilt und tauchen dort an unterschiedlichen Stellen in unterschiedlichen Kontexten auf. Daher gibt es auch keine endgültige Einigkeit darüber, welche die zehn Grundrechte sind. In unserer Bildergalerie haben wir etwas andere Schwerpunkte gesetzt, als hier im Text. Einigkeit besteht jedoch darüber, dass sich die Kinderrechte in drei Bereiche unterteilen lassen, die drei Säulen der UN-KRK: Schutz, Förderung und Beteiligung (Partizipation). Das Recht auf gewaltfreie Erziehung lässt sich dem Bereich Schutzrechte zuordnen, das Recht auf Gesundheit dem Bereich Förderrechte und das Recht auf freie Meinungsäußerung dem Bereich Partizipationsrechte.

Vier Artikel der Kinderrechtekonvention gelten als sogenannte Grundprinzipien, was bedeutet, dass diese vier Rechte bei der Umsetzung aller anderen Rechte berücksichtigt werden müssen. Hierzu gehört der Nichtdiskriminierungsartikel (Artikel 2) und das aus Artikel 3 resultierende Recht des Kindeswohlprinzips, das besagt, dass bei allen Maßnahmen, die das Kind betreffen, das Kindeswohl vorrangig zu berücksichtigen ist. Außerdem gelten das in Artikel 6 festgehaltene Recht auf Leben und Entwicklung sowie das aus Artikel 12 resultierende Beteiligungsecht als grundlegend.

Im 2. Teil der UN-KRK geht es darum, wie ihre Umsetzung geprüft wird. Der dritte Teil beinhaltet Regelungen zum Ratifikationsprozess, also wie die Vertragsstaaten die getroffenen Vereinbarungen als für sich bindend anerkennen können. Außerdem wurde die UN-KRK in den letzten Jahren durch drei sogenannte Fakultativprotokolle (eine Art Zusatzregelungen) ergänzt.  Das erste Fakultativprotokoll beschäftigt sich mit der Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten und trat in Deutschland 2002 in Kraft. Staaten, die dieses Protokoll unterzeichnet haben (aktuell sind es 130), verpflichten sich dazu, dass Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht dazu gezwungen werden dürfen, zum Militär zu gehen und an kriegerischen Auseinandersetzungen teilzunehmen. Das 2. Protokoll beinhaltet Regelungen, die Kinder vor kriminellen Handlungen wie Kinderprostitution, Kinderpornographie und Kinderhandel schützen sollen und wurde von 121 Staaten ratifiziert. Das 3. Fakultativprotokoll gibt Kindern das Recht, sich beim UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes zu beschweren, wenn die Kinderrechte in einem Land nicht eingehalten werden.

Die UN-KRK im Wortlaut bei UNICEF

© Copyright 2018-2021 - Hessisches Ministerium für Soziales und Integration